Die Insel

InselJetzt weiß bestimmt jeder welche Insel gemeint ist! Genau, die Perle in der Nordsee, das Eiland der Schönen, Reichen und Bekloppten. Der Lack ist ab. Die fetten Jahre sind vorrüber. Der Ausverkauf der Insel hat schon vor Jahren begonnen. Es gibt hier haufenweise Immobilienbüros, aber weder ein öffentliches Schwimmbad noch eine Säuglingsstation und auch kein richtiges Krankenhaus. Für diverse Erkrankungen muß der Insulaner dann nach Niebüll oder Flensburg. Früher ging in der Nordseeklinik mehr. Dafür reichlich Zweitwohnungen, aber keinen Wohnungraum für Insulaner. Und woher kommt die arbeitende Bevölkerung für die Insel? Na? Richtig, vom Festland. Die Personenzüge der NOB sind morgens knüppeldicke voll. Und warum? Weil der Festländer scheinbar so hart gesotten ist das er dieses Zwischenfahren (so heißt das hier) als Herausforderung an sieht. Jeden morgen mit dem Auto von Zuhause zum nächst gelegenen Parkplatz (Kosten im Monat ca. 20.- bis 30.- Euro, oder sogar noch mehr?). Anschließend in den Zug bis Westerland – Endstation – Endbahnhof. Die Bahnfahrkarte kostet so um die 100.- Euro. Und nun noch vom Bahnhof Westerland zur Arbeitsstelle. Lohnt sich das überhaupt? Alleine die Zeit die dafür aufgebracht werden muß – Respekt! Ich würde das nicht auf mich nehmen. Ist der Festländer billiger? Nö, aber er wohnt zumeist auf dem Festland wesentlich preiswerter, als auf der Insel. Und einige insulare Arbeitgeber zahlen dann ja freundlicherweise die Fahrtkosten ganz und gar, oder anteilig. Der Insulaner bekommt nichts. Komisch, oder? Ob ich neidisch bin, nein! Ich verstehe solch eine Politik und Vorgehensweise nur nicht. Wer stützt die Insel im Herbst und im Winter? Genau, der Insulaner. Haben die Insulaner davon Vorteile? Nein, sie müssen sogar mit angehobenen Preisen und höheren Lebenshaltungskosten rechnen. Ja, warum machen das diese Insulaner denn bloß? Weil sie ihre Insel lieben. Die offene Nordsee, den Himmel, die Wolken, das Wattenmeer, die wunderbare Landschaft, den Wind, die Luft, die Ruhe im Herbst und im Winter. Die Spaziergänge am Strand. Mit Freunden und Bekannten schnacken. Mal unter sich sein! Und natürlich verlässt der eine und oder auch der andere Insulaner seine Insel und zieht in die große weite Welt und macht Urlaub.Viele bleiben aber auch hier und genießen die andere Seite der Insel. Ich war das letzte Mal 2002 für eine längere Zeit von der Insel weg. Seit 14 Jahren aber eben nicht mehr. Hat mir das geschadet, habe ich einen Inselkoller bekommen? Nein! Ich bin gerne hier und mein Leben ist völlig okay. Klar, es gibt einige Dinge die mir ab und an fehlen. Mal in einem großen Musikgeschäft zu stöbern wäre schon toll. In der Weihnachtszeit fehlt mir ein richtiger Weihnachtsmarkt (die Stadt Westerland macht ja seit Jahren nichts). Und einige Ärzte haben hier ein Monopol, weil es eben pro Fachrichtung nur einen Arzt und/oder Ärztin gibt. Die Auswahl ist in allen Bereichen nicht sonderlich gut. So hat die Insel nicht einmal einen Ford-Händler. Da muß man dann auf’s Festland nach Niebüll. Und wenn man etwas braucht, dann wird das eben übers Internet bestellt. Wäre die Auswahl auf der Insel breiter gefächert, würden die Insulaner die hiesigen Händler mit Sicherheit unterstützen. Wenn ich aber in einigen Geschäften hören muß, dass ich die Versandkosten übernehmen muß plus des erhöhten Preises, dann hört es bei mir auf. Dafür gibt es ja die großen Internet-Versand-Plattformen, die oft ohne Versandkosten liefern und dann auch noch wirklich angenehme Preise haben und schnell sind. Ich glaube die liefern auch in den Amazon’as(?).

Nun werden sich bestimmt einige fragen: „Ja, warum lebt dieser Schreiberling dann auf der Insel, wenn doch einiges so Kacke ist“? Weil es hier immer noch 1.000 Mal besser ist als in einer mittleren und/oder großen Stadt. Jedenfalls ist das für mich so. Ich habe lange in Deutschland’s Hauptstadt gewohnt. Das muß ich nicht mehr haben. Hier geht es oftmals beschaulich zu. Die Menschen sind liebenswert, manchmal etwas zugeknöpft, aber herzlich. Und sie schätzen die Natürlichkeit und Ehrlichkeit ihres Gegenüber. Authentizität ist immer gerne gesehen. Die Arroganten und Möchtegerne haben hier keine Chance!

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